Nashville, kurz nach Mitternacht. Die Touristen haben den Broadway noch nicht verlassen, aber Wade Whitfield hat aufgehört, sie wahrzunehmen. Er spielt sein letztes Set des Abends - drei Akkorde, ein Refrain, den er vor zwanzig Jahren geschrieben hat und der noch immer besser ist als alles, was gerade im Radio läuft. Niemand im Raum weiß davon. Vielleicht ist das die Pointe. Vielleicht ist es auch nur die Wahrheit.
Wer ist Wade? Wade ist einer derjenigen, die Nashville kannten und lebten, bevor es hip war. Aufgewachsen in Donelson, groß geworden auf den Bühnen des Lower Broadway, kurz berühmt und dann vergessen auf eine Art, die keine große Tragödie war, nur eine lange und stille Enttäuschung. Sein Debutalbum
Gravel & Grace lief 2001 im Radio hoch und runter. Sein zweites Album interessierte niemanden. as Label ließ ihn fallen. Die Ehe zerbrach. Der Alkohol half für eine Weile, doch dann nicht mehr.
Heute ist er 44, gibt Gitarrenunterricht in East Nashville und spielt am Wochenende für Trinkgeld in diversen Bars. Er schreibt noch immer Songs, füllt ganze Notizbücher, zeigt sie niemandem. Seit drei Jahren ist er trocken und seit Kurzem glaubt er wieder - leise, fast beschämt, wie ein Gebet, das man nicht laut ausspricht - dass vielleicht noch etwas in ihm steckt, das es wert ist, gehört zu werden.
Wade ist kein Mensch großer Gesten. Er zeigt Zuneigung dadurch, dass er auftaucht. Er ist verbittert, aber nicht hoffnungslos. Er hat einen trockenen Humor, den er als Schutzschild benutzt und einen Blick, der mehr in sich trägt, als Wade es mit Worten tut.
Wo findet man Wade? Wade ist ein Mensch der Gewohnheiten und fester Orte - wer ihn treffen will, weiß, wo er zu finden ist.
Er frühstückt fast täglich im
Biscuit Love in The Gulch am Tresen. Allein mit einem Notizbuch und einer Tasse Kaffee. Freitagsabends spielt er im
The Low Light auf dem Lower Broadway, der Bar seines Kumpels Hank - nicht als Headliner, sondern als einer von vielen. Tagsüber gibt er Gitarrenunterricht bei sich zu Hause in der
Ordway Street, East Nashville oder in einem
Musikgeschäft in Five Points. Einmal in der Woche kann man ihn in einer
AA-Gruppe in einer Methodistenkirche in East Nashville treffen, wo er wenig sagt. Die neuen Rooftop-Bar und das glitzernde Touristen-Nashville meidet er - nicht aus Snobismus, sondern weil gewisse Erinnerungen weh tun.
Mögliche Anschlüsse Wade ist offen für Begegnungen aller Art - hier sind ein paar Szenarien,die ich mir vorstellen kann, ich freue mich aber auch sehr über eigene Ideen:
Musikszene & Vergangenheit Alte Wegbegleiter aus Wades Karrierejahren, Session-Musiker, die ihn noch von früher kennen, jemand der seinen großen Hit
Driving Toward Nothing noch im Kopf hat und ihn nach Jahren zufällig wieder trifft. Junge Songwriter die ihn bewundern, fürchten oder beides. Menschen die wissen, was er war – und ihn damit konfrontieren, ob er es noch ist.
East Nashville & Alltag Nachbarn, andere Stammgäste im Biscuit Love, Eltern von Schülern, die er unterrichtet. Menschen, die Wade einfach als den ruhigen Mann von nebenan kennen, ohne etwas über seine Geschichte zu wissen. Diese Anschlüsse interessieren mich besonders – Wade in seinem normalen Leben, bevor alles wieder in Bewegung gerät... Oder auch nicht.
Musikindustrie Label-Menschen, Manager, Journalisten, die über die alte Nashviller Szene schreiben. Jemand der Wades Namen noch kennt und ihn aus einem bestimmten Grund aufsucht. Jemand, der etwas von ihm will – und noch nicht sicher ist, ob Wade das auch will.
Persönliche Geschichte Menschen die mit Sucht oder Trockenheit eigene Erfahrungen haben. Geschiedene Elternteile, jemand, der versucht das Verhältnis zu einem entfremdeten Kind zu reparieren. Wade trägt viel mit sich – wer ähnliche Wunden kennt, findet in ihm jemanden der zuhört ohne zu urteilen.
Wildcard Wade ist ein Beobachter. Er sitzt gerne in der Ecke, nimmt alles wahr und schreibt es später auf. Manchmal redet er mit Fremden auf eine Art, die überrascht – direkt, ehrlich, ohne die üblichen Höflichkeitsformeln. Wer einen unerwarteten Gesprächspartner sucht, ist willkommen.
Was ich suche Ich spiele Wade gerne in charaktergetriebenen Szenen spielen – Gespräche die irgendwohin führen, Momente die erst im Nachhinein ihre Bedeutung zeigen, die kleinen Dinge die mehr sagen als große Gesten. Ich bin weniger an Action oder Plot-Driven-Szenen interessiert als an echten Begegnungen zwischen Menschen die etwas mitbringen (was nicht bedeutet, dass ich an solchen Szenen überhaupt kein Interesse hätte!).
Aktivität: nach Muse, möglichst mindestens 1 Post/Wochen |
Länge: variabel, Wohlfühlzone liegt bei ca. 3000 Zeichen |
Ton: Realistisch, emotional, geerdet
Ich freue mich über jegliche Angebote und hoffe, dass ich mit Cole hier unterkommen kann. Ich habe auch zwei Gesuche (ein Einzelgesuch, ein Gruppengesuch) in der Hinterhand, auch wenn ich da immer vorsichtig bin und mich nicht zu sehr von diesen abhängig machen will.